Strompreise an den Strombörsen können sich innerhalb weniger Stunden verdoppeln oder halbieren – ausgelöst z. B. durch Wetter, Kraftwerksausfälle und geopolitische Krisen. Trotzdem bleiben die Preise für die Stadtwerke-Kundinnen und Kunden meist stabil. Der Grund: Die Stadtwerke Rosenheim erzeugen selbst Strom und kaufen an den Börsen weitere Mengen über Monate bis Jahre im Voraus über den Terminmarkt ein. Nur geringe Mengen laufen über den kurzfristigen Spotmarkt. In diesem Artikel erklären wir den Unterschied zwischen Spot- und Terminmarkt und zeigen auf, wie unsere Energiehändler mit einer vorausschauenden Einkaufsstrategie für Preisstabilität sorgen.
Wie funktioniert eigentlich der Strommarkt?
Strom stammt aus ganz unterschiedlichen Quellen: Wind, Sonne, sowie Wasser-, Kohle- und Gaskraftwerke gehören dazu. An den Strombörsen bestimmen Angebot und Nachfrage den Börsenpreis, dabei muss man jedoch zwei sehr unterschiedliche Märkte betrachten. Am Spotmarkt wird Strom für den nächsten Tag gehandelt, exakt für jede Viertelstunde – aber auch Strom für den aktuellen Tag kann hier über den Intradayhandel geordert werden. Da Strom nur begrenzt speicherbar ist, reagiert der Spotmarkt extrem schnell auf Wetterverhältnisse, Verbrauchszahlen und andere aktuelle Ereignisse. Hier können die Preise innerhalb weniger Stunden sehr stark schwanken. An sonnigen oder windreichen Tagen gibt es z. B. oft äußerst günstige oder sogar negative Preise in den Mittagsstunden – und Preise von mehreren hundert Euro je Megawattstunde am Abend, sobald die Sonne untergegangen ist.
Am Terminmarkt dagegen kaufen Energieversorger wie wir gemeinsam Strom über Monate oder sogar Jahre im Voraus ein – zusätzlich zu den Strommengen aus unserer eigenen Erzeugung. Am Terminmarkt sichern wir mit hoher Planungssicherheit den weiteren Bedarf unserer Kundinnen und Kunden ab: Diese Strommengen fließen in unsere Standard-Stromtarife ein. Fehlende oder kurzfristig benötigte Mengen werden anschließend am Spotmarkt beschafft.
Was die Preise wirklich bewegt
Ein hoher Strombörsenpreis hat selten nur einen einzigen Auslöser. Es ist meist ein Zusammenspiel aus
- Wetter (Wind- und Solarstromproduktion)
- Temperatur – und damit Heiz- oder Klimatisierungsbedarf
- Verfügbarkeit von Kraftwerken
- Stromnachfrage von Industrie und Haushalten
- Gaspreisen und CO₂-Zertifikatspreisen – diese Preise wirken sich auch auf Strompreise aus
- Politischen Entwicklungen und geopolitischen Ereignissen
- Auslastung der Stromnetze
Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das große Ganze – und eine durchdachte Art der Energiebeschaffung. Wir setzen hier z. B. auf ein Treppensystem.
Risiken vermeiden über die Treppenbeschaffung
Anstatt den gesamten von den Börsen benötigten Jahresbedarf in nur einer Order einzukaufen, gehen wir etappenweise vor, wie bei einer Treppe. Je näher ein neuer Lieferzeitraum rückt, desto genauer decken wir uns mit der benötigten Menge ein – immer im Rahmen fester interner Vorgaben aus unserem Risikohandbuch. Das schützt vor Fehlentscheidungen zum falschen Zeitpunkt und verteilt Risiken und Chancen über einen längeren Zeitraum.
„Einzelne Kundinnen und Kunden immer exakt mit der passenden Strommenge zu versorgen, ist schwierig, denn es lässt sich nicht genau vorhersagen, ob sich diese Person oder das Unternehmen stets genau so verhält, wie es erwartet oder prognostiziert wurde“, erklärt Pascal Hanusch, Portfoliomanager. „Aber bei einer größeren Anzahl von Kundinnen und Kunden gleichen sich die Bedarfe schon eher aus. Genau diesen Effekt nutzen wir für unsere Einkaufsstrategie.“
Keine Entscheidung aus dem Bauchgefühl heraus
So sorgen Fachwissen und ein festes Regelwerk dafür, dass alle Entscheidungen der Stadtwerke rund um den Energiehandel nachvollziehbar sind und nicht spontan getroffen werden. „Wir haben ein hochspezialisiertes Team, das den Energiemarkt täglich beobachtet – inklusive aller Nachrichten, die auch außerhalb der Börsenzeiten Einfluss auf den Markt nehmen“, erklärt Alessandro Graceffa, Abteilungsleiter Kundenbetreuung. „Hier wird also keine Entscheidung aus einem Bauchgefühl heraus getroffen, sondern immer auf Basis klarer Fakten und der daraus ermittelten Prognosen. Somit können die Stadtwerke Rosenheim für ihre Kunden attraktive Konditionen anbieten.“
Das Merit-Order-Prinzip
Der Strompreis richtet sich in Deutschland und weiten Teilen Europas nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip:„Der Beste zuerst”. Je mehr günstige, also vorteilhafte Anbieter die Stromnachfrage am Markt decken können, desto günstiger ist der Strompreis. Solar- und Windkraftwerke kommen zuerst zum Einsatz, dann weitere erneuerbare Erzeuger, es folgen Braun- und Steinkohlekraftwerke, Gas- und Dampfkraftwerke sowie Gasturbinenkraftwerke – je nach Brennstoff und CO₂-Preisen.