Spannende Altholz-Experimente

Feuerball im Holzvergasungsprozess
© Stadtwerke Rosenheim

Aufbereitung von Altholz zu geeigneten Hackschnitzeln

Die im Landkreis Rosenheim ansässige Firma Zosseder ist im Projekt für die Aufbereitung der Altholzkategorien A I bis A III zu verwertbaren Hackschnitzeln zuständig. Dabei führt sie Versuche mit verschiedenen Abfällen aus Hölzern und Holzwerkstoffen durch: Schwemmholz aus Flüssen, das dem Wald- Restholz am ähnlichsten ist, macht dabei den Anfang. Sind die Versuche erfolgreich, geht es mit Palettenholz und Bauabbruchholz weiter – bis zu ausrangierten Möbeln, die oft aus Holzwerkstoffen bestehen.

„In den Versuchen steigern wir so immer weiter den Schwierigkeitsgrad“, erklärt Philipp Mend, Projektleiter der Stadtwerke Rosenheim. „Denn alte Möbel zu nutzbaren Holzhackschnitzeln zu verarbeiten, ist besonders anspruchsvoll. Diese sind oft mit Metallen, mineralischen Anhaftungen und weiteren Materialien versetzt – und alles muss vor dem Vergasungsprozess aus dem Holz heraus.“

Dafür durchläuft das Möbel-Altholz verschiedene Aufbereitungsstufen. Am Ende sollen die Hackschnitzel nur noch zwischen 10 und 40 mm groß sein. Nur dann kann sie die Holzgasanlage der Stadtwerke optimal verarbeiten.

Altholzvergasung: Schritte Hackschnitzel

 

Die Stadtwerke-Tests zur Altholzvergasung

Bei den Stadtwerken wird dann im Vergasungsverfahren genau geschaut, wie sich die Anlage bei den verschiedenen Altholzarten verhält. Dabei wird mit besonderer Spannung auf die Vergasung von Holzwerkstoffplatten geblickt. „In unserer Holzgasanlage herrschen Temperaturen bis zu 1.000 Grad Celsius“, erklärt Philipp Mend. „Eine Spanplatte würde bei dieser Hitze schnell zu Sägemehl – da stellt sich die Frage, wie die Anlage damit zurechtkommt. Das und mehr werden wir bei unseren Versuchen herausfinden.“ Außerdem wird eine Vorrichtung zum Störstoffaustrag am Vergaser montiert. Da auch mit den besten Aufbereitungsmethoden nicht alle Metalle vom Hackschnitzel getrennt werden können, sammeln sich diese im Vergaser an. Und durch einen hohen mineralischen Anteil in Schwemmholz entstehen Schlackebrocken.

Für einen stabilen Dauerbetrieb muss beides im laufenden Betrieb aus dem Vergaser ausgetragen werden. Auch auf die Reinigung des Altholzgases richten die Stadtwerke einen besonderen Fokus. Schließlich soll das Holzgas aus Altholz die gleiche Güte aufweisen wie das aus Wald- Restholz, damit es sämtliche Umweltauflagen des Immissionsschutzes erfüllt. Deshalb führen die Stadtwerke zurzeit Versuche dazu durch, den Holzhackschnitzeln Kalk zuzugeben. Denn Kalk kann im Vergasungsprozess saure Bestandteile binden – das wäre ein weiterer Schritt bei der Optimierung der Holzgasqualität.

Was aus diesem Projekt werden kann?

Die Versuche sollen zeigen, ob sich verschiedene Altholzkategorien so aufbereiten und vergasen lassen, dass daraus ein für die Energieerzeugung geeigneter Brennstoff entsteht. Bei erfolgreicher Umsetzung könnte der daraus gewonnene Brennstoff künftig für die Strom- und Fernwärmeerzeugung eingesetzt werden. Ob und in welchem Umfang dadurch Erdgas ersetzt werden kann, hängt von den Ergebnissen der Versuche sowie den technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab.