Weniger Stickoxide bei der Strom- und Wärmeproduktion

M5 Motor
© Stadtwerke Rosenheim

Wenn Gasmotor 5 im Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Rosenheim Strom und Fernwärme erzeugt, fallen dabei ab sofort weniger Stickoxide (NOx) im Abgas an: Die Anlage wurde mit einem SCR-Katalysator und AdBlue-Technik nachgerüstet. So erreicht der Motor schon heute den niedrigeren NOx-Grenzwert, der ab 2029 verbindlich wird, und kann Rosenheim auch zukünftig zuverlässig mit Strom und Wärme versorgen.

Ein Motor für Strom und Wärme

Seit 2011 ist Gasmotor 5 im Blockheizkraftwerk an der Oberaustraße im Einsatz. Dort erzeugt er wie die anderen Gasmotoren gleich doppelt Energie für Rosenheim. Er treibt einen Generator zur Stromerzeugung an. Zudem nutzen wir seine Abwärme und das heiße Abgas, um Wasser für unser Fernwärmenetz aufzuheizen: Die Anlage bietet 4,4 Megawatt elektrische und 4,5 Megawatt thermische Leistung.

„Für uns war klar: Diesen zuverlässigen Gasmotor wollen wir auch künftig einsetzen“, erklärt Rolf Waller, Leiter des Müllheizkraftwerks. „Deshalb haben wir schon weit bevor die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV-Verordnung) greift verschiedene Lösungen geprüft, um frühzeitig die notwendigen Fachfirmen beauftragen zu können. Denn unser Gasmotor ist nicht die einzige Anlage in Deutschland, die nachgerüstet werden muss.“

Was beim Diesel funktioniert, hilft auch hier

Die Lösung lag in einem neuen SCR-Katalysator. Er reinigt die Abgase, indem er Stickoxide mithilfe von Ammoniak in Stickstoff und Wasser umwandelt. Das dafür benötigte Ammoniak entsteht, wenn eine wässrige Harnstofflösung (AdBlue) in das heiße Abgas eingespritzt wird. Der Effekt ist deutlich: Die Stickoxid-Emissionen werden von rund 500 auf weniger als 100 mg/Nm3 reduziert – damit wird der ab 2029 geforderte niedrigere NOx-Grenzwert eingehalten.

Platz schaffen für einen großen Katalysator

Die größte Herausforderung bei der Umrüstung war der benötigte Platz. Der neue Katalysator wiegt rund 1,65 Tonnen und musste in eine Anlage passen, die ursprünglich gar nicht dafür gebaut wurde. Hinzu kamen u. a. noch Vorratstank, Leitungen, Messgeräte und eine Steuerung, die permanent überwacht, ob alles richtig läuft. „Wir haben gemeinsam mit den beteiligten Fachfirmen eine Lösung entwickelt, die technisch funktioniert und sich mit möglichst wenigen Eingriffen in die vorhandene Anlage integrieren lässt“, erklärt Projektingenieur Johannes Müller. „Dafür wurde unter anderem der bestehende Primärschalldämpfer umgebaut und die Abgasführung angepasst.“

Ein Jahr lang wurde geplant, technisch geprüft und der Vergabeprozess begleitet – und bis zur Lieferung des Katalysators verging ein weiteres halbes Jahr. Der eigentliche Umbau samt Inbetriebnahme dauerte dagegen nur rund zwei Wochen. Etwa 20 Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und externe Fachkräfte waren daran beteiligt.

Vorbild für weitere Nachrüstungen

Jetzt läuft Gasmotor 5 wieder. Die neue Abgasreinigung senkt seine Stickoxid-Emissionen deutlich. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass die Anlage auch über 2028 hinaus für die Rosenheimer Strom- und Fernwärmeerzeugung eingesetzt werden kann. Mit den gesammelten Erfahrungen werden auch die anderen Gasmotoren entsprechend nachgerüstet. Schritt für Schritt. Damit alle Anlagen Rosenheim mit Strom und Wärme versorgen können.