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Virtuelles Kraftwerk wird „Rosenheimer Landwerk“

Innovation aus Rosenheim nimmt Fahrt auf

Die Stadtwerke Rosenheim sind schon seit einigen Jahren als innovatives und zukunftsorientiertes Unternehmen in der Branche bekannt. Eines dieser innovativen Projekte ist das als virtuelles Kraftwerk vor einigen Jahren eingeführte System zur Steuerung und Vermarktung von Erzeugungsanlagen, welches seit Oktober 2019 den Namen „Rosenheimer Landwerk" trägt.

Es begann mit der Vermarktung der Eigenerzeugung

Mitaufgebaut hat das Rosenheimer Landwerk Gilbert Vogler, Projektleiter bei den Stadtwerken Rosenheim im Bereich Energiemarkt. Zunächst beschränkte sich das Team um Herrn Vogler auf das Stadtgebiet Rosenheim. Hier umfasste es mehrere Gas-Blockheizkraftwerke und ein Müllheizkraftwerk zur Fernwärme-Erzeugung mit insgesamt rund 35 MW flexibler elektrischer Leistung. „Jetzt sind wir auch im Umland mit der Direktvermarktung aktiv", sagt Vogler. In der Gegend um Rosenheim gebe es zahlreiche Photovoltaik- und einige Windkraftanlagen sowie Wasserkraftwerke. „Wir brauchen schnelle, flexible Leistung, wie sie von Biogasanlagen bereitgestellt werden kann."

Erste Vertragspartner aus der Rosenheimer Biogasgruppe

„Vier Mitglieder der Rosenheimer Biogasgruppe sind auf uns zugekommen", erzählt Vogler von den Anfängen. In den ersten Gesprächen lernten die Biogasbauern die Stromvermarktung kennen und die Stadtwerke erfuhren mehr die Eigenheiten von Biogasanlagen. Es folgten Besichtigungen und Workshops, in denen das gegenseitige Vertrauen reifte, das zum Beschluss der Zusammenarbeit und der Ausarbeitung von Anschlusskonzepten zur Anbindung der Biogasanlagen an das Rosenheimer Landwerk führte.
Die vielen kleinen Biogasanlagen im ländlichen Raum – oft haben sie kaum mehr als 200 kWel installierter Leistung – tragen wesentlich zur Flexibilisierung der regenerativen Erzeugung bei. Im Gegensatz zur dargebotsabhängigen Photovoltaik und der fluktuierend einspeisenden Windkraftanlagen erzeugen Biogasanlagen Strom mit einem speicherbaren Energieträger durch vollautomatisierte flexible Fahrweise jederzeit bedarfsgerecht.

Technische Möglichkeiten erweitern Geschäftsfeld

Gemeinsam mit dem Aachener IT-Dienstleister Kisters haben sich die Stadtwerke Rosenheim sich die Frage gestellt, wie das Energiewendepotenzial solcher kleinen Anlagen am besten gehoben werden könnte. Ihre Erkenntnis: Es kommt auf die richtige Vermarktungsstrategie und zielgerichtete Steuerung der Anlagen an. So eröffnen sich Wege, auch Anlagen mit geringer Leistung im Regelenergiemarkt anzubieten und darüber hinaus noch Zusatzerlöse im Stromhandel zu generieren.
Voraussetzung für die Integration einer Vielzahl kleiner Anlagen in ein virtuelles Kraftwerk wie das Rosenheimer Landwerk ist die Clusterung zur Optimierung der Fahrweise. „Damit bedarf es keiner Einzelbetrachtung mehr", erklärt Günter Stock. „Das vereinfacht den Optimierungsprozess ungemein und spart erheblich Rechenzeit", so der Leiter Energy Solutions bei Kisters. Alle Anlagen eines Clusters haben dabei die gleichen spezifischen Eigenschaften, so dass im Grunde nur noch ein einziger Anlagentyp betrachtet werden muss. Außerdem sei bei einer Veränderung der Anlagenzahl innerhalb eines Clusters keine Modellanpassung notwendig. Auch das spare Zeit und Kosten bei der Optimierung. Grundsätzlich könnten in das virtuelle Kraftwerk aber natürlich alle Anlagentypen integriert werden, betont er. Das geschieht im Rosenheimer Landwerk. So nehmen die Stadtwerke vermehrt auch Blockheizkraftwerke in den Pool auf, die im Gesamtsystem gesteuert und erlösoptimiert gefahren werden.
Josef Rinser, stellvertretender Sprecher des Biogasfachverbands, unterstützte von Anfang an die Zusammenarbeit zwischen den Biogasanlagenbetreibern mit den Stadtwerken Rosenheim und lobt deren innovative Ausrichtung, neue Wege in der Vermarktung zu gehen und dabei die Anlagenbetreiber mitzunehmen.

Weiterentwicklung für ein stabiles Energiesystem

Der vertrauensvolle Austausch mit den Anlagenbetreibern und technischen Dienstleistern hat dem Rosenheimer Energieversorger einen umfangreichen Erfahrungsschatz im Bereich der Direktvermarktung beschert, den man hier nun kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuell bietet das Rosenheimer Landwerk vermutlich die einzige vollautomatisierte flexible Anlagensteuerung für Erzeugungsanlagen im kleinen Leistungsbereich an. Ziel ist ein weitreichender Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems durch gebündelte Steuerung dezentraler Erzeugungsanlagen.

Service für die Redaktion

 


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