.

Sonnenfinsternis: Keine Gefahr für die Stromversorgung

Mit der Sonnenfinsternis am 20. März werden die deutschen Solaranlagen einige Stunden lang kaum Strom erzeugen. Wie sicher ist unser Stromnetz, wenn die Sonne mal kurz abschaltet?

Sonnenfinsternis über der KampenwandAm 20. März wird sich in ganz Deutschland für einige Vormittagsstunden der Himmel verdunkeln – der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne, so dass wir eine partielle Sonnenfinsternis erleben werden. Droht mit dem Schatten über dem Land zugleich ein Blackout? Davor warnte vor einigen Monaten der "Spiegel " (Lesenswert auch dieser dpa-Beitrag auf Spiegel Online): Sollte der Tag wolkenlos sein, würden die Solaranlagen mit Fortschreiten der Sonnenfinsternis binnen kurzer Zeit drastisch weniger Strom erzeugen. Das könnte das Stromnetz aus dem Gleichgewicht bringen, schreibt das Nachrichtenmagazin. Denn im Netz müssen Stromangebot und -nachfrage stets im Gleichgewicht sein. Ist das nicht der Fall, droht ein Blackout.

Bei klarem Himmel Leistungsschwankungen von bis zu 18 Gigawatt

Mittelspannungs-Schaltanlage für das Rosenheimer StromnetzRichtig am Bericht des „Spiegel" ist, dass das Phänomen am Firmament das Energiesystem in eine Ausnahmesituation bringen könnte. Sollte der 20. März nämlich im ganzen Land sonnig sein, wird die Leistung aller 1,5 Millionen Solaranlagen innerhalb von nur einer Stunde um elf Gigawatt absinken. Das entspricht etwa der Kapazität von acht Atomkraftwerken. Ist das Maximum der Verdunkelung erreicht, wird die Solarleistung bis zum Ende der Sonnenfinsternis binnen eineinviertel Stunden um 18 Gigawatt zulegen.

Netzbetreiber haben sich vorbereitet

Leitstelle für das Stromnetz der Stadtwerke RosenheimFalsch ist jedoch, dass diese Situation unsere Stromversorgung gefährden wird. Denn die Sonnenfinsternis kommt so überraschend wie Weihnachten oder Ostern. „Die für die Versorgungssicherheit verantwortlichen Betreiber der Übertragungsnetze wissen genau, was an diesem Tag auf sie zukommt. Sie können deshalb rechtzeitig Gegenmaßnahmen organisieren", erklärt Thaddäus Müller, der bei den Stadtwerken Rosenheim für den Betrieb der lokalen Stromnetze verantwortlich ist. Dazu gehört vor allem, ausreichend Regelleistung vorzuhalten, mit denen sich die Ab- und Zunahme bei der Erzeugung von Solarstrom kurzfristig ausgleichen lässt. Besonders gut geeignet sind dafür Gaskraftwerke, deren Leistung sehr schnell und flexibel an den Bedarf angepasst werden kann.

Kraftwerke der Stadtwerke Rosenheim werden flexibel zugeschaltet

Leitwarte für das Müllheizkraftwerk der Stadtwerke RosenheimNatürlich werden auch die Stadtwerke Rosenheim am 20. März ihren Beitrag dazu leisten, die Stromversorgung zu stabilisieren. „Wir werden die Übertragungsnetzbetreiber bei ihrer Aufgabe nach Kräften unterstützen", sagt Müller. So kann der Versorger auf Anforderung der Netzbetreiber im Rosenheimer Müllheizkraftwerk kurzfristig mehr Strom als üblich produzieren, um zu helfen, die fehlende Solarenergie zu kompensieren. Vor allem die hochmodernen Gasmotoren der Stadtwerke lassen sich in Minuten hochfahren. Allein der neuste Gasmotor im Müllheizkraftwerk bringt in fünf Minuten die Leistung von dreißig Ferraris an den Start. Damit an diesem Tag alles glatt geht, werden bei den Stadtwerken mehr Mitarbeiter als üblich bereitstehen.

Wissenschaft gibt Entwarnung

Eine Animation der HTW zeigt, wie die Solarleistung während der Sonnenfinsternis abfällt und wieder zunimmt.

Entwarnung gibt auch eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass schon allein die heimischen Pumpspeicherkraftwerke in der Lage seien, während der Sonnenfinsternis einen großen Teil der fehlenden Solarleistung zu kompensieren. Zudem stünden den Netzbetreibern – neben dem Einsatz von Gaskraftwerken – eine Reihe weiterer Instrumente zur Verfügung, die zusätzliche Sicherheit schaffen: etwa das Lastmanagement, bei dem Industriebetriebe bei Bedarf Maschinen und Anlagen kurzzeitig abschalten, um das Netz zu stabilisieren, oder der Stromhandel mit unseren Nachbarländern. Dort wird sich die Sonnenfinsternis nämlich weniger stark auf die Stromerzeugung auswirken, weil dort längst nicht so viele Solaranlagen in Betrieb sind.

Service für die Redaktion


.

xxnoxx_zaehler